r4 - Innovative Technologien für

Ressourceneffizienz - Forschung zur

Bereitstellung wirtschaftsstrategischer

Rohstoffe

Bekanntmachung des Bundesministeriums von Richtlinien zur Fördermaßnahme "r4 - Innovative Technologien für Ressourceneffizienz - Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe" für Bildung und Forschung

vom 17. Juli 2013

Die Förderrichtlinie "r4 - Innovative Technologien für Ressourceneffizienz - Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe" ist eine Konkretisierung der Hightech-Strategie 2020 der Bundesregierung im Bedarfsfeld Klima/Energie. Sie ist eingebettet in das BMBF-Programm "Wirtschaftsstrategische Rohstoffe für den Hightech-Standort Deutschland", das im Oktober 2012 veröffentlicht wurde und Teil des Rahmenprogramms "Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)" - Ressourceneffizienz ist. Im Fokus dieses Programms stehen nichtenergetische mineralische Rohstoffe wie z. B. Hightech-Metalle und Seltene Erden, die für Zukunftstechnologien sicher verfügbar sein müssen und eine große Hebelwirkung für die Wirtschaft haben ("wirtschaftsstrategische Rohstoffe").

 

Für Deutschland als Industrienation mit breiter Produktionsbasis und hohem Exportanteil ist die Rohstoffverfügbarkeit eine unabdingbare Voraussetzung zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Wohlstands. Die generelle Versorgungssicherheit der deutschen Industrie mit nichtenergetischen mineralischen Rohstoffen, insbesondere wirtschaftsstrategischen Rohstoffen ist gefährdet. Die Verknappungen und damit Kostensteigerungen betreffen vor allem Metall führende Ressourcen, wie zum Beispiel die sogenannten Platingruppenmetalle, die sogenannten Stahlveredler und Hochtechnologiemetalle einschließlich Seltener Erden. Diese sind für die Entwicklung und den Ausbau von Zukunftstechnologien unentbehrlich. Eine zügige Umsetzung der Energiewende hin zu einer energieeffizienten umweltverträglichen "Green Economy" erfordert z. B. innovative Technologien für Ressourceneffizienz und eine sichere Versorgung mit wirtschaftsstrategischen Rohstoffen.

Deutschland ist im Hinblick auf die Verfügbarkeit dieser Primärrohstoffe fast zu 100 % auf Importe angewiesen, da die Gewinnung aus Sekundärrohstoffen (Recycling) bisher nahezu unbedeutend ist. Forschung und Entwicklung (FuE) kann dazu beitragen, dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage durch innovative Technologien zu reduzieren.

Auf die zunehmenden Risiken bei der Versorgungssicherheit und steigende Kosten für Rohstoffe haben die Ressorts der Bundesregierung mit einem Bündel an Strategien und Maßnahmen reagiert. Hier sind z. B. die Deutsche Rohstoffstrategie, die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie und das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm zu nennen.

Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (Entkopplung des Ressourcenverbrauchs von Wirtschaftswachstum und Umweltauswirkungen) hat sich zum Ziel gesetzt, die Rohstoffproduktivität bis zum Jahr 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln. Um die Versorgung mit nichtenergetischen mineralischen Rohstoffen zu sichern, wurde im Oktober 2010 von der Bundesregierung die Rohstoffstrategie (Sicherung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung Deutschlands) verabschiedet mit dem Ziel Handelshemmnisse abzubauen, die deutsche Wirtschaft bei der Diversifizierung ihrer Rohstoffbezugsquellen zu unterstützen, bilaterale Rohstoffpartnerschaften aufzubauen sowie Technologieentwicklungen, Ausbildung und Wissenstransfer zu fördern.

Das deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) der Bundesregierung (nachhaltige Nutzung mineralischer, nichtenergetischer sowie die mögliche Substitution durch stoffliche Nutzung biotischer Rohstoffe) definiert darüber hinaus 20 Handlungsansätze insbesondere für die nachhaltige Nutzung abiotischer, nichtenergetischer Rohstoffe. Die Stärkung der Forschung und Verbesserung der Wissensbasis (Handlungsansatz 17) sind prioritäre Ziele.

Mit den Fördermaßnahmen "r2 - Innovative Technologien für Ressourceneffizienz - Rohstoffintensive Produktionsprozesse" und "r3 - Innovative Technologien für Ressourceneffizienz - Strategische Metalle und Mineralien" wurde die Forschung auf der Rohstoff-Nachfrageseite bereits erheblich verstärkt und umfangreiche Einspar- und Recycling­potenziale entwickelt. Die Fördermaßnahme r4 schreibt die Förderpolitik des Bundesministeriums für Bildung und ­Forschung (BMBF) konsequent fort und verstärkt die Forschung auf der Rohstoff-Angebotsseite.

Seit den fünfziger Jahren hat der Ressourcenbedarf in den Industrieländern in hohem Maße zugenommen, diese Entwicklung ist jetzt auch in den aufstrebenden Entwicklungs- und Schwellenländern wie China zu beobachten. In einer aktuellen Studie des International Resource Panel der UNEP zu anthropogenen Metallzyklen wurde deutlich, dass der rasant steigende Bedarf an wirtschaftsstrategischen Rohstoffen in absehbarer Zeit nicht allein durch Recycling, d. h. Rückführung aller Metalle in die Stoffkreisläufe gedeckt werden kann. Substitutionsmöglichkeiten müssen stärker genutzt werden, sind aber in vielen Technologiebereichen nur begrenzt vorhanden.

Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Deutschland müssen deshalb verstärkt auch auf die Rohstoff-Angebotsseite ausgedehnt werden. Hier besteht dringender Forschungsbedarf im Bereich Exploration und Gewinnung von Primärrohstoffen sowie Aufarbeitung und metallurgischer Prozesstechnik von Aufbereitungs- und Produktionsrückständen zur Steigerung der Ressourceneffizienz. Signifikante Mengen an wirtschaftsstrategischen Rohstoffen, insbesondere Metallen, verbleiben häufig in Aufbereitungsabgängen, Schlacken und Rückständen, für deren Gewinnung zur Zeit nur eine eingeschränkte Infrastruktur zur Verfügung steht. Viele der wirtschaftsstrategischen Rohstoffe können nur als Nebenprodukt bei der Verarbeitung von konventionellen Metallrohstoffen wie Kupfer, Blei oder Zink gewonnen werden. Die hierzu verfügbaren Technologien sind derzeit in der Regel noch ineffizient und wenig wirtschaftlich.

Mit dieser Bekanntmachung verfolgt das BMBF das Ziel, Forschung und Entwicklung von Rohstofftechnologien zur Bereitstellung von wirtschaftsstrategischen Rohstoffen in Verbundvorhaben zu fördern. Forschungsergebnisse sollen vermehrt in nachhaltige wirtschaftliche Prozesse und marktfähige Produkte überführt werden. Dabei sollen neue ­Erkenntnisse und Technologien bereitgestellt werden, die zügig in die Praxis überführt werden können, indem die Rahmenbedingungen hierfür innovationsgerechter gestaltet sowie strategische Partnerschaften zwischen Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft aufgebaut werden. Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) kommt als Anbietern von unternehmensnahen Produkten und Dienstleistungen und damit als speziellen Know-how-Trägern eine besondere Rolle zu. Die Kräfte von Wissenschaft und Wirtschaft sollen gebündelt werden mit dem Ziel, Wirtschaftsunternehmen stärker an dem auf Umweltvorsorgeziele ausgerichteten Innovationsprozess zu beteiligen und so die Erschließung des Leitmarkts Umwelttechnologien - hier: Rohstoff- und Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft - voranzubringen.

Als flankierende Maßnahmen sollen Akzeptanzforschung zur Rohstoffgewinnung, Nachwuchsgruppen, eine strukturbildende Maßnahme bzw. ein Netzwerk zur Stärkung der deutschen Rohstoffforschung im internationalen Wettbewerb und ein Integrations- und Transferprojekt unterstützt werden. Die Fördermaßnahme ist offen für europäische und internationale Zusammenarbeit, sofern ein Mehrwert für Deutschland zu erwarten ist.

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